Doping-Geschichte

2012: Weißrussischer Dopingsumpf und entzaubertes Kenia

Die weißrussische Kugelstoßerin Nadeschda Ostaptschuk © dpa - Bildfunk Foto: Robert Ghement

Gedopte Nadeschda Ostaptschuk: nur für wenige Tage Olympiasiegerin.

Die Flamme der Olympischen Spiele 2012 war gerade erloschen, da entfachte eine Meldung einen kleinen Flächenbrand in der Leichtathletik. Kugelstoßerin Nadeschda Ostaptschuk, die in London mit einer Weite von 21,36 Metern überlegen Gold gewonnen hatte, war gedopt. Die Weißrussin sei während der Spiele bei zwei Proben positiv auf das anabole Steroid Methenolon getestet worden, teilte das Internationale Olympische Komitee IOC mit und nahm der damals 31-Jährigen die Goldmedaille wieder weg. Der Olympiasieg ging damit - wie schon in Peking 2008 - an die Neuseeländerin Valerie Adams. Zwei Jahre Sperre wären Standard gewesen. Die weißrussische Anti-Doping-Agentur wollte Ostaptschuk allerdings nur zwölf Monate aufbrummen. Die offizielle Erklärung: Trainer Alexander Jefimow habe seinem Schützling das Dopingmittel heimlich ins Essen gemischt. Er wurde nach einem Geständnis für vier Jahre gesperrt.

Nur vier Jahre für Wiederholungstäterin Ostaptschuk

Dass Ostaptschuk letztlich ebenfalls für vier Jahre aus dem Verkehr gezogen wurde, lag an einer weiteren positiven Probe der Weißrussin, die der Weltverband IAAF im März 2013 öffentlich machte. Nachträgliche Tests brachten ans Licht, dass die Kugelstoßerin auch bei ihrem WM-Sieg 2005 in Helsinki gedopt war, ebenfalls mit einem anabolen Steroid. Ebenso wie ihr Olympia-Gold von 2012 musste sie auch WM-Gold von 2005 wieder abgeben. Zudem wurden ihre Ergebnisse zwischen dem 13. August 2005 und dem 12. August 2007 und seit dem 5. August 2012 annulliert. Ostaptschuks Sperre läuft am 14. August 2016 ab. Dass die Weißrussin nicht lebenslang aus dem Verkehr gezogen wurde, stieß nicht nur bei Nadine Kleinert, die durch Ostaptschuks Überführung auf den Bronze-Rang der WM 2005 vorrückte, auf Unverständnis. "Das ist eine Schande für den Sport, eine Schande fürs Kugelstoßen und eine Schande für den Anti-Doping-Kampf, denn Ostaptschuk ist nachweislich eine Wiederholungstäterin - und die gehört nun mal lebenslang gesperrt", sagte Kleinert. Der Grund für die milde Strafe der IAAF mutet etwas skurril an: Die Weißrussin hatte zur selben Zeit von beiden positiven Dopingproben erfahren.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 29.08.2015, 10.50 Uhr

Stand: 17.08.15 08:00 Uhr