Doping-Geschichte

2012: Weißrussischer Dopingsumpf und entzaubertes Kenia

Iwan Tichon © Picture-Alliance/dpa

Hammerwerfer Iwan Tichon aus Weißrussland: mehrfach gedopt.

Neben Ostaptschuk sorgten 2012 noch weitere weißrussische Top-Athleten für Doping-Schlagzeilen. Allen voran Iwan Tichon. Der dreimalige Hammerwurf-Weltmeister gehörte zu den fünf positiv nachgetesteten Athleten der Olympischen Spiele 2004 in Athen. Tichon, der in der griechischen Hauptstadt Silber und 2008 bei den Spielen in Peking Bronze gewonnen hatte, wurde acht Jahre später die Einnahme von anabolen Steroiden nachgewiesen und musste seine Medaille von Athen zurückgeben. Der Vorfall wurde kurz vor den Olympischen Spielen von London publik, worauf der weißrussische Verband Tichon von der Startliste der Hammerwurf-Qualifikation strich. Es war bereits der zweite nachträgliche positive Test Tichons. Nach seinem dritten Platz von Peking 2008 wurde er zusammen mit Landsmann Wadim Dewjatowski (Silber) wegen Dopings mit dem Sexualhormon Testosteron disqualifiziert. Allerdings rehabilitierte der Internationale Sportgerichtshof CAS beide 2010 wegen einer Laborpanne. Sie durften die Medaillen behalten. Nach dem Motto "aller schlechten Dinge sind drei" wurde Tichon 2013 zum dritten Mal wegen Dopings überführt. Bei nachträglichen Tests von Proben der WM 2005 tauchte der Weißrusse, der in Helsinki Gold im Hammerwerfen geholt hatte, erneut auf der "Positiv-Liste" auf. Eine lebenslange Sperre müsste eigentlich folgen. Bislang ist Tichon allerdings nur für seinen Doping-Vergehen 2004 bestraft worden, mit einer zweijährigen Sperre von August 2012 bis August 2014. Darüber hinaus wurden alle Ergebnisse der Weißrussen zwischen dem 22. August 2004 und 21. August 2006 annulliert. Damit ist auch Tichons WM-Titel von 2005 Vergangenheit.

Dopingsünder Dewjatowski in Weißrussland hofiert

Ironie der Leichtathletik-Geschichte: Zurzeit wird Tichons Landsmann Dewjatowski als Weltmeister von Helsinki geführt. Dewjatowski gehört allerdings auch zu den Athleten, dessen Probe von 2005 nachträglich positiv getestet wurde. Sein Fall liegt mittlerweile beim Internationalen Sportgerichtshof CAS. Wird er für schuldig befunden, würde ebenfalls eine lebenslange Sperre im Raum stehen, da Dewjatowski bereits bei den Spielen 2000 in Sydney positiv getestet wurde und eine Zwei-Jahres-Sperre absitzen musste. Pikant: Für die IAAF ist der ehemalige Hammerwerfer suspendiert, solange der Fall nicht geklärt ist. Demnach darf er nicht als Athlet starten, selbige coachen oder in offizieller Funktion tätig sein. In Weißrussland stört das allerdings niemanden. Im Gegenteil: Im September 2014 wurde Dewjatowski zum Vorsitzenden des weißrussischen Leichtathletik-Verbandes gewählt.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 29.08.2015, 10.50 Uhr

Stand: 17.08.15 08:00 Uhr