Doping-Geschichte

2014: Wie Russland seine Sieger macht

Lilija Schobuchowa aus Russland  Foto: Felipe Trueba

Lilija Schobuchowa: überführte Weltklasse-Marathon-Läuferin aus Russland.

Schon vor der brisanten ARD-Dokumentation "Geheimsache Doping - Wie Russland seine Sieger macht" hatten zahlreiche russische Dopingfälle das EM-Jahr 2014 geprägt. Mit Lilija Schobuchowa wurde zu Beginn des Jahres die zweitschnellste Marathon-Läuferin der Geschichte gesperrt. Unregelmäßigkeiten im Blutpass der damals 36-Jährigen zogen eine rückwirkende Zwei-Jahres-Sperre durch den russischen Verband nach sich, die am 23. Januar 2015 auslief. Zudem wurden der dreimaligen Chicago-Siegerin alle Ergebnisse ab dem 9. Oktober 2009 aberkannt. Somit auch ihre Siegerzeit von 2:18:20 Stunden beim Chicago-Marathon 2011, mit der sie zur schnellsten Athletin über die 42,195 Kilometer nach der britischen Weltrekordlerin Paula Radcliffe avancierte. Ihre größten Erfolge vor der Lauf-Karriere auf der Straße hatte die Russin 2006 in Moskau bei der Hallen-WM mit Silber über 3.000 Meter gefeiert. Im gleichen Jahr stellte sie einen Hallenweltrekord über diese Distanz auf (8:27,86) und holte bei der Freiluft-EM in Göteborg Silber über 5.000 Meter. 2008 lief Schobuchowa auf dieser Strecke mit 14:23,75 Minuten Europarekord.

450.000 Euro Schmiergeld für Olympia-Start

Vor der ARD-Kamera packte Schobuchowa dann richtig aus. Sie erklärte, dass ihre Blutwerte dem russischen Verband schon 2012 bekannt waren und sie sich den Start bei den Olympischen Spielen in London mit 450.000 Euro erkauft habe. Die Russin ging in London auch an den Start, musste im Marathon-Rennen allerdings verletzungsbedingt aufgeben. Nachdem Schobuchowa Anfang 2014 dann doch gesperrt wurde, verlangte sie eine Rückzahlung des Schmiergelds. Zwei Drittel der Summe flossen tatsächlich zurück an sie.

Schobuchowa packt aus - WADA verkürzt Sperre

Der Weltverband IAAF strebte vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS eine Verlängerung von Schobuchowas Sperre auf vier Jahre an. Anfang August 2015 erhöhte das Gericht den Bann für die Russin lediglich um 14 Monate bis März 2016. Kapp drei Wochen später verkürzte die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) Schobuchowas Sperre wiederum um sieben Monate - wegen "substanzieller Mithilfe" bei den Ermittlungen. Details zu den von Schobuchowa gelieferten Informationen nannte die WADA nicht. Sie hätten sich aber nicht nur auf Verstöße anderer Sportler bezogen, sondern auch mit Betreuern zu tun.

Weltrekordlerin Laschmanowa: Start trotz Sperre?

Die russischen Geherinnen Olga Nikolajewna Kaniskina (l.) und Jelena Anatoljewna Laschmanowa © imago/ITAR-TASS

Hochdekoriert und gedopt: Die russischen Geherinnen Olga Kaniskina (l.) und Jelena Laschmanowa.

Auch die russischen Geher machten 2014 "positive" Schlagzeilen. Wie bei Schobuchowa wies auch der Blutpass von Stanislaw Emeljanow Unregelmäßigkeiten auf. Der Europameister über 20 Kilometer von 2010 kassierte eine rückwirkende Zwei-Jahres-Sperre, die am 14. Dezember 2014 ablief. Sein Gold von Barcelona ist der Russe ebenfalls los, alle Ergebnisse ab dem 26. Juli 2010 wurden für ungültig erklärt. Emeljanows russische Teamkollegin Jelena Laschmanowa, Olympiasiegerin und Weltmeisterin über die 20-Kilometer-Distanz, darf bis zum 25. Februar 2016 nicht mehr starten. Die Dopingkontrolleure fanden den Stoff GW1516, auch als Endurobol bekannt, in ihrem Blut. Die Russin hatte 2012 in London mit der damaligen Weltrekordzeit von 1:25:02 Stunden Olympia-Gold gewonnen. Womöglich wird sie ihren Titel in Rio 2016 nicht verteidigen können. "Die IAAF kann bestätigen, dass sie von mehreren Quellen informiert worden ist, dass Laschmanowa Ende Dezember während ihrer Sperre ein Rennen in Russland bestritten haben soll", teilte ein IAAF-Sprecher Anfang 2015 mit. Der Weltverband ermittelt nach eigener Aussage gegen die Olympiasiegerin, der eine Ausweitung ihrer Sperre droht.

Russlands Geher unter Generalverdacht

Ebenfalls Anfang 2015 setzte die russische Anti-Doping-Agentur Rusada ein Zeichen, als sie fünf russische Geher mit drastischen Strafen belegte. Olga Kaniskina (Gold 2008 über 20 Kilometer) und Sergej Kirdjapkin (Gold 2012 über 50 Kilometer) wurden ebenso wie Sergej Bakulin (Weltmeister 2011) für drei Jahre und zwei Monate gesperrt. Waleri Borschin, Olympiasieger von 2008, wurde für acht Jahre suspendiert. Wladimir Kanajkin, ehemaliger Jugend- und Juniorenweltmeister im 10.000-Meter-Bahngehen, erhielt wegen wiederholter Vergehen sogar ein lebenslanges Startverbot. Kurz vor der WM in Peking dann der nächste Paukenschlag: Der russische Verband zog seine Geher, von denen in den vergangenen Jahren insgesamt 25 wegen Dopings gesperrt wurden, bis auf Weiteres von allen internationalen Wettbewerben zurück, "um einen Image-Schaden für den russischen Sport abzuwenden", wie es in einer offiziellen Erklärung hieß.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 29.08.2015, 10.50 Uhr

Stand: 24.08.15 19:19 Uhr