Frank Busemann blickt in eine Glaskugel (Montage) © picture alliance, fotolia.com Foto: Sascha Baumann, Klaus Eppele

Busemanns WM-Orakel

Mehrkampf: Erst kommen die Eatons - und dann?

von Frank Busemann

Am ersten WM-Wochenende tragen die Siebenkämpferinnen im Pekinger "Vogelnest" ihren Wettkampf aus, gegen Ende der Weltmeisterschaften ziehen dann die Zehnkämpfer die Zuschauer in ihren Bann. Mit etwas Glück - und bei verletzungsfreiem Verlauf - könnten auch die deutschen "Alleskönner" bei der Vergabe der Medaillen ein Wörtchen mitreden. Gold scheint bei Männern und Frauen jedoch bereits fest vergeben zu sein.

Es kann nur eine geben: die Königin vom König. Ich weiß nicht, über was sich Familie Eaton beim Frühstück so unterhält, aber scheinbar reden sie darüber, wie man viele Punkte in den Stadien dieser Welt sammeln kann. Erfolg verpflichtet. Das was Ashton Eaton bei den Männern ist, ist Brianne Theisen Eaton bei den Frauen: Favoritin. Seit Jahren entwickelt sich Theisen Eaton in kleinen aber sicheren Stücken immer weiter in Richtung Thron. In diesem Jahr nun hat sie die Asse in der Hand. Einzig das vielleicht wieder genesene Sprungwunder Katharina Johnson-Thompson und die Neu-Mama Jessica Ennis-Hill könnten etwas dagegen haben.

Carolin Schäfer: Peking vorläufiger Karrierehöhepunkt?

Siebenkämpferin Carolin Schäfer (r.) mit Claudia Rath. © picture alliance / dpa Foto: Bernd Thissen

Carolin Schäfer (r.) ist eine Medaillen-Kandidatin, Claudia Rath hat Außenseiter-Chancen.

Als Vierte im Bunde noch weiterer Medaillenkandidaten schwang sich im Mai Carolin Schäfer in Götzis auf den Plan. Ratingen nutzte sie, um noch mal kurz einige Disziplinen durchzutesten. Nun soll Peking der vorläufige Höhepunkt ihrer Karriere werden. Claudia Rath ist da schon eine alte Bekannte. Sie wird ihre tolle Platzierung von Moskau vielleicht aufgrund ihrer Nervenstärke in etwa bestätigen können und sich im Sog der exzellenten Weitspringerinnen im Feld an der Grube weiter verbessern.

Tagesform entscheidet den Kampf um die Plätze

Jennifer Oeser hingegen ist mit großem Kampf auf den WM-Zug aufgesprungen. Sie wird es genießen, wieder in den großen Stadien der Welt zu starten. Mit Ennis-Hill wird sie die beste Vielseitigkeits-Mama der Welt ausknobeln und aufgrund ihrer Erfahrung mit Saisonbestleistung ein gutes Ding abliefern. Die Plätze hinter Theisen-Eaton sind hart umkämpft. Die Tagesform entscheidet.

Gut erholt nach Zehnkampf-Sabbatical

Siebenkämpferin Brianne Theisen-Eaton mit ihrem Mann Ashton Eaton, Zehnkampf-Weltrekordler © imago/Belga

Starkes Duo: Brianne Theisen-Eaton und ihre Mann Ashton Eaton peilen Doppel-WM-Gold an.

Es kann nur einen geben: den König der Athleten. Und das ist ... eigentlich nur Ashton Eaton. Verletzt war er, leicht angeschlagen, sein Götzis-Verzicht eine reine Vorsichtsmaßnahme, hieß es. Mit Weltrekord-Gedanken ist er nach Österreich gefahren, dann wieder abgereist. Nach seinem Zehnkampf-Sabbatical im vergangenen Jahr, wo er sich den Langhürden hingab, muss dieses Jahr mit Großem gerechnet werden. Doch was hat er drauf? Er bestreitet in Peking seinen ersten Mehrkampf in diesem Jahr. Als Titelverteidiger kann er sich das leisten. Aber Verletzungen kennt er eigentlich nicht.

Unter Druck ist Michael Schrader am besten

Zehnkämpfer Michael Schrader präsentiert seine Silbermedaille. © dpa - Bildfunk Foto: Michael Kappeler

"Eine Medaille ist drin!" Michael Schrader will wie 2013 in Moskau auch in Peking aufs Podest.

Ganz anders als Michael Schrader. Eine Verletzung? Tsss, die gehört zu seinem Alltag dazu, die macht ihn nicht an. Deshalb hat er so unglaublich viel Lust auf Sport, auf Wettkämpfe, auf Druck. Das kann er super, unter Druck funktionieren. Und das braucht und das macht er.

Trey Hardee und Damian Warner stehen in den Startlöchern, hoffen auf ihre Chance. Unter diesen Vieren werden die Medaillen vergeben. Kai Kazmirek ist auch so ein Wettkampftyp - anders vom Charakter, aber formstabil. Hoffentlich Bestleistung, über 8.500 Punkte, richtiger Männer-Zehnkampf halt. Und der Dritte im Bunde ist ein alter Bekannter: Rico Freimuth ist eigentlich immer dabei, sehr stabil an den 8.400 Punkten. Bei ihm wird der 100-Meter-Lauf über seine Laune für die nächsten neun Disziplinen entscheiden.

Wir sehen eine Weltbestleistung über die Hürden, und wo Eaton antritt ist immer ein bisschen Sensation greifbar. Ebenso bei Schrader. Wenn der gesund durchkommt, dann, boah, ...

Wettkampfstätte

Pekings "Vogelnest" in Bildern

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 29.08.2015, 10.50 Uhr

Stand: 21.08.15 16:25 Uhr

Das ist Frank Busemann

Geboren:
26. Februar 1975 (Recklinghausen)
Disziplinen:
Zehnkampf, Hürdensprint
Sportliche Erfolge:
Olympia-Silber 1996 (8.706 P.)
WM-Bronze 1997 (8.652 P.)
U23-Europameister 110 m Hürden 1997 (13,54)
Juniorenweltmeister 110 m Hürden 1994 (13,47)
Auszeichnungen:
Rudolf-Harbig-Gedächtnispreis 2004
Sportler des Jahres 1996
Karriereende:
23. Juni 2003
Karriere nach der Karriere:
Vorträge/Seminare zum Thema Motivation
Buch-Autor
ARD-Leichtathletik-Experte
(Morgenmagazin, Das Erste, sportschau.de)