Sebastian Coe nach seiner Wahl zum IAAF-Präsidenten in Peking © picture alliance / dpa Foto: Wu Hong

IAAF-Kongress

Sebastian Coe ist neuer IAAF-Präsident

Der frühere Weltklasse-Mittelstreckenläufer Sebastian Coe ist neuer Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF. Bei der Wahl in Peking setzte der 58-jährige Engländer sich mit 115 zu 92 Stimmen am Mittwoch (19. 8. 2015) gegen Sergej Bubka aus der Ukraine durch. Bubka wurde als Vizepräsident bestätigt. Eine Niederlage musste auch DLV-Präsident Clemens Prokop hinnehmen. Er bekam nicht die nötigen Stimmen für eine Wahl ins IAAF-Council.

Auf dem 50. IAAF-Kongress in Peking votierte eine deutliche Mehrheit der Mitgliedsverbände für Coe, 1.500-m-Olympiasieger von 1980 und 1984, Cheforganisator der Olympischen Spiele 2012 und Ritter des britischen Empires. Coe löst den Senegalesen Lamine Diack ab, der das Amt fast 16 Jahre lang als Präsident innehatte. "Für viele in diesem Raum ist die Geburt ihrer Kinder der größte Moment in ihrem Leben", sagte Coe nach seiner Wahl: "Für mich ist die Möglichkeit, die Zukunft unserer Sportart zu gestalten, das zweitgrößte Ereignis. Ich fühle mich geehrt, dass unser Sport sein Vertrauen in mich gesetzt hat." Der neue IAAF-Chef will die olympische Kernsportart mit zahlreichen Reformprojekten wieder attraktiver und moderner machen. Er muss nach den seit Monaten anhaltenden Dopingvorwürfen um die Zukunft der Traditionssportart kämpfen.

Bach: Coe wird Null-Toleranz-Politik unterstützen

IOC-Präsident Thomas Bach sieht Coe als starken Partner im Kampf gegen Doping: "Ich bin sicher, dass Sebastian Coe einen exzellenten Job machen wird und das IOC in unserer Null-Toleranz-Politik gegenüber Doping unterstützen wird", sagte Bach, der wie Coe 1981 zu den Gründungsmitgliedern der ersten IOC-Athletenkommission gehörte. Der unterlegene Bubka wird in der Führungsspitze bleiben: Bei der Wahl der IAAF-Vizepräsidenten schnitt der ehemalige Stabhochsprung-Weltrekordler, sechsmalige Freiluft-Weltmeister und Olympiasieger von 1988 mit 187 Stimmen am besten ab. Er zeigte sich als fairer Verlierer: "Seb, ich wünsche dir, unseren Sport gut in die Zukunft zu führen. Die Leichtathletik wird wachsen und immer stärker werden", sagte Bubka.

Prokop scheitert - Digel empört

Clemens Prokop ©  picture alliance / GES-Sportfoto Foto: GES-Sportfoto

Clemens Prokop musste eine schmerzliche Niederlage hinnehmen.

Clemens Prokop, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, erlitt beim Kongress eine Wahlniederlage. Der 58-Jährige bekam bei der Abstimmung nicht die erforderliche Stimmenzahl für einen der neun neu vergebenen Plätze im IAAF-Council. Damit ist kein Deutscher mehr in der Weltregierung der Leichtathletik vertreten. Prokops Vorgänger als DLV-Präsident, der 71-jährige Helmut Digel, war nach 20 Jahren nicht mehr zur Wahl angetreten. Prokop zeigte sich enttäuscht: "Es war ein außergewöhnlicher Wahlkampf, viele Kandidaten haben eine Menge Zeit und Finanzkraft aufgewendet. An den Spekulationen, ob die Doping-Berichte der ARD es für einen Deutschen schwieriger gemacht haben, möchte ich mich nicht beteiligen", sagte er. Digel äußerte sich kritisch zur Ausbootung des DLV aus dem Führungsgremium: "Hier wird nun zum Beispiel kolportiert, dass der Kandidat aus Saudi-Arabien die Delegierten mit einer schönen Geschenkmappe bedient hat und sie sich deshalb ihm gegenüber offensichtlich auch erkenntlich erwiesen haben", sagte der Sportwissenschaftler.

Doping-Kampf ganz oben auf der Agenda

Die Wahl von Coe hatte Prokop schon vor dem Urnengang unterstützt: "Der DLV sieht bei Coe das noch größere Reformpotenzial." Und auch prominente Athleten hatten die Werbetrommel für Coe gerührt. "Ich denke, er kann die Leichtathletik verändern", sagte Doppel-Olympiasieger Mo Farah. Der viermalige Olympiasieger Michael Johnson stieß ins selbe Horn: "Sebastian Coe kann die Leichtathletik aus dem derzeitigen Schlamassel führen." Über Monate waren die beide Kandidaten und Vizepräsidenten der IAAF rund um die Welt gereist, um für sich zu werben, Coe mit seinem "Manifesto", Bubka mit seiner "Vision 2025". Hatten sie sich noch zu Beginn ihres Wahlkampfes die Modernisierung der Leichtathletik auf die Fahnen geschrieben, ist nun Doping das allgegenwärtige Thema. Coe setzte sich für eine unabhängige Anti-Doping-Organisation für seine Sportart ein.

Interessenkonflikt droht

Fragen wirft Coes Rolle beim Marketingunternehmen CSM auf. Beratend war CSM unter anderem sowohl bei der Vergabe der umstrittenen Europaspiele sowie der Begegnungen der Fußball-EM 2020 an Baku tätig. Als IAAF-Präsident ist Coe auch Mitglied im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) - und wird bei der Vergabe Olympischer Spiele mit abstimmen. Ein möglicher Interessenkonflikt. Laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" erwartet Prokop, dass Coe seinen Posten bei CSM ruhen lasse.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 29.08.2015, 10.50 Uhr

Stand: 19.08.15 12:01 Uhr