Die Kugelstoßer Christina Schwanitz und David Storl stehen nebeneinander auf einem Podium bei einer Pressekonferenz. © dpa picture alliance Foto: Michael Kappeler

Kugelstossen

Schwanitz und Storl können Geschichte schreiben

von Bettina Lenner aus Peking

Auf Christina Schwanitz und David Storl ruhen in Peking die größten deutschen Hoffnungen. Die Kugelstoßer können am Wochenende für einen goldenen Auftakt des DLV-Teams sorgen - und Leichtathletik-Geschichte schreiben.

Christina Schwanitz ist für die große Aufgabe gerüstet: Das obligatorische Bier, das sich die Sächsin stets am Vorabend eines Wettkampfs genehmigt, wartet schon im Kühlschrank, die Form stimmt. Locker, selbstbewusst und gewohnt heiter präsentierte sich die 29-Jährige einen Tag vor ihrem großen Auftritt im "Vogelnest". Dort kann sich Schwanitz am Samstag (22.08.2015, 14.05 Uhr/im Livestream bei sportschau.de) 16 Jahre nach der dreimaligen Weltmeisterin Astrid Kumbernuss zur zweiten deutschen Kugel-Königin krönen. "Das ist bis jetzt die Saison meines Lebens. Ich wünsche mir, dass ich ganz oben stehen kann und werde alles geben", sagte die Weltranglistenerste (20,77 m) und hohe Favoritin. Eine neue Situation für die Vize-Weltmeisterin von Moskau: "Ich bin jetzt die Gejagte. Ich habe in Peking meine Bestleistung gestoßen, alle denken, die kann das hier. Der Rucksack ist vollgepackt."

Kovacs' Leistungen "schon eine Hausnummer"

Keine 24 Stunden später (22.08.2015, 13.30 Uhr/live im Ersten und in voller Länge im Livestream bei sportschau.de) geht es auch für Titelverteidiger David Storl um Gold . Der Leipziger hat in diesem Jahr erstmals die magische 22-m-Marke geknackt, aber in Joe Kovacs auch bärenstarke Konkurrenz. Der Amerikaner führt die Weltjahresbestenliste mit 22,56 m an und hat in dieser Saison schon insgesamt viermal über 22 m gestoßen. "Das sind Leistungen, die du nicht jeden Tag siehst. Das ist schon eine Hausnummer", sagte Storl, der auf einen starken ersten Versuch ("Ich versuche direkt einen rauszupacken") und den Faktor Wetter baut: "Regen kommt mir als Angleiter entgegen. Als Drehstoßer macht man sich dann schon seine Gedanken, ob man Vollgas gibt." Viel Spannung verspricht das Duell allemal: "Ich freu' mich drauf und will um meinen Titel kämpfen", so der 25-Jährige, der nach seinem dritten WM-Gold in Serie greift. Den "Hattrick" schaffte bislang nur der Schweizer Werner Günthör (1987 bis 1993).

Es kann Spektakuläres gelingen

Collage mit Bildern der beiden Kugelstoßer Christina Schwanitz und David Storl. © dpa picture alliance/dpa picture alliance Foto: Valdrin Xhemaj/Gladys Chai von der Laage

David Storl und Christina Schwanitz wollen beide Gold gewinnen.

Überhaupt kann dem Duo Spektakuläres gelingen: Dass beide Kugelstoß-Titel in ein Land gehen, wäre ein Novum in der WM-Geschichte. Dass Schwanitz als erste Kugelstoßerin das Double mit Europa- und Weltmeistertitel schaffen kann, lässt sie kalt: "Damit habe ich mich noch nicht beschäftigt. Das macht mich auch nicht heißer, das ist halt so", meinte die Sächsin, und auch Storl unterstrich: "Ich bin kein Freund von Statistiken, sondern eher der Typ, der im Ring steht. Ich mache mir keinen Druck, sondern versuche, alles von mir fernzuhalten."

Trotz Schmerzen: Augen zu und durch

Zum größten Gegner könnten für die deutschen Hoffnungsträger schmerzende Knie werden. Beide ließen sich im Herbst operieren, haben aber weiterhin Probleme. "Rein in Ring und fort das Ding", lautet jetzt das Motto, ausgegeben vom gemeinsamen Trainer Sven Lang: "Der Schmerz nimmt mit der Zahl der Stöße ab. Das Knie gewöhnt sich daran, das gehört dazu und ist nebensächlich", meinte Storl. Schwanitz ließ sich sogar eine radioaktive Flüssigkeit gegen die Entzündung ins Gelenk spritzen. "Das ist aber nur ganz wenig, ich bin nicht Tschernobyl. Ich spüre das Knie bei einer falschen Bewegung, aber es ist dran. Ich denke, durch das Adrenalin im Wettkampf wird nichts im Weg sein", meinte die 29-Jährige gewohnt flapsig.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 29.08.2015, 10.50 Uhr

Stand: 21.08.15 12:10 Uhr