Martina Strutz im Stabhochsprung-Finale. © dpa Foto: Michael Kappeler

Stabhochsprung

Favoritin Silva holt Gold mit dem Stab - Strutz Achte

Olympia-Silber, WM-Bronze - und jetzt die Krone: Yarisley Silva aus Kuba ist neue Weltmeisterin im Stabhochsprung. Die Weltjahresbeste gewann mit 4,90 m Gold vor Fabiana Murer aus Brasilien und der Griechin Nikoleta Kyriakopoulou. Die deutschen Starterinnen hatten mit der Medaillenvergabe nichts zu tun.

Die ersten Drei lieferten sich einen hochklassigen und spannenden Schlagabtausch. Silva war bei 4,70 m schon fast ausgeschieden, nahm die 4,80 m im zweiten Versuch und lieferte bei 4,85 m im ersten Anlauf Maßarbeit ab. Murer konterte und musste ebenso zittern wie ihre Rivalin: Die Latte tanzte regelrecht auf der Auflage - fiel aber nicht. Kyriakopoulou schließlich riss die Höhe, sparte sich die beiden verbleibenden Versuche aber für 4,90 m auf. Sie pokerte zu hoch, freute sich aber riesig über Bronze mit 4,80 m. Silva indes katapultierte sich im dritten Versuch über 4,90 m. Wie in Flummi sprang sie auf der Matte auf und nieder - im Wissen, dass Murer diese Höhe wohl nicht mehr toppen kann und sie die Nachfolge von Weltrekordlerin Jelena Issinbajewa antreten würde. Und so war es. Die neue Weltmeisterin versuchte sich zur Gaudi der Zuschauer im "Vogelnest" dann noch an 5,01 m, diese Höhe war für sie aber noch eine Nummer zu groß. Olympiasiegerin Jennifer Suhr aus den USA kam mit 4,70 m nicht über Rang vier hinaus.

Ryzih: "Mehr war nicht drin"

Die beiden deutschen Springerinnen sahen sich den Krimi aus der Distanz an. Martina Strutz lieferte bis 4,60 m eine sehr coole Vorstellung ab. Mit 4,70 m hätte die Schwerinerin ihre Saisonbestleistung um fünf Zentimeteter übertroffen, doch nach zwei von Verletzungen überschatteten Jahren ist die 33-Jährige noch nicht wieder auf Topniveau. Die Vize-Weltmeisterin von 2011 riss alle drei Versuche, trug Platz acht aber mit Fassung. Lisa Ryzih überquerte die 4,50 m etwas unorthodox, schaffte die 4,60 m erst, als sie im dritten Versuch den Stab wechselte, und scheiterte nach zwei abgebrochenen Versuchen an 4,70 m im dritten Anlauf knapp. Am Ende stand Platz zwölf für die deutsche Meisterin aus Ludwigshafen, die sich im Finale der besten 14 sicher mehr erhofft hatte. "Mehr war heute nicht drin. Mir haben drei Wochen Praxis gefehlt", sagte Ryzih, die sich bei einem Trainingsunfall vor der WM an der Hand verletzt hatte, im ZDF. Auch Strutz wusste den Wettkampf einzuordnen: "Es ist okay, die anderen Mädels haben super Höhen hingelegt. Wir sind gut gesprungen", sagte sie. Einen rabenschwarzen Tag erwischte die Russin Anschelika Sidorowa. Die Europameisterin stieg bei 4,50 m ein und legte einen "Salto nullo" hin.

Spiegelburg im Tränenmeer

Für die dritte Deutsche im Bunde, Silke Spiegelburg, hatte es in der Qualifikation ein Desaster gegeben. Die "ewige Vierte" aus Leverkusen hat in dieser Saison schon 4,75 m übersprungen, doch in Peking kam sie nicht über 4,45 m hinaus. Spiegelburg schaffte auf Anhieb nur ihre Einstiegshöhe von 4,30 m. Bei 4,45 m musste sie bis zum dritten Versuch zittern, die 4,55 m riss sie dreimal und vergoss danach bittere Tränen. Nach einer Operation am rechten Fuß im vergangenen Jahr konnte Spiegelburg in dieser Saison nicht wie gewohnt trainieren und nur mit verkürztem Anlauf springen. "Ihr fehlen Trainingssprünge und damit die Sicherheit", sagte ihr Trainer Andrej Tiwontschik. Vor zwei Jahren in Moskau hatte Spiegelburg noch Platz vier belegt.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 29.08.2015, 10.50 Uhr

Stand: 26.08.15 15:24 Uhr