Victor Conte © picture alliance / AP Photo

Doping

Conte fordert Nachtests bei Sprintstars wie Bolt

von Hajo Seppelt, ARD-Dopingredaktion

Der ehemalige Doping-Dealer und spätere Kronzeuge der US-Justiz, Victor Conte, hat in einem Interview mit der ARD-Dopingredaktion den Weltverband IAAF aufgefordert, Nachtests eingefrorener Proben der besten Sprinter bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen vorzunehmen.

Er habe dies schon 2007 der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA gesagt, berichtete Conte. Damals sei es ihm um die Sprinter Usain Bolt und Yohan Blake aus Jamaika sowie Carmelita Jeter und Jason Richardson aus den USA gegangen sowie um die Langstreckenläufer Mo Farah und Galen Rupp. "Ich habe der WADA gesagt, die IAAF sollte sie nachtesten lassen. Auf künstliches Testosteron", erklärte der frühere Chef des dubiosen Balco-Labors. Aus WADA-Kreisen sei Conte damals aber vertraulich gesagt worden, dass Nachtests "keine gute Idee" seien. "Man sagte mir, diese Nachtests auf künstliches Testosteron bei Usain Bolt oder anderen großen Stars werde es nicht geben. Die Stars brächten der olympischen Bewegung viele Dollars von Sponsoren ein. Die Funktionäre hatten also kein Interesse an Nachtests", so Conte.

Einige nicht nachweisbare Mittel im Umlauf

Conte, der vor einem Jahrzehnt als Kronzeuge der US-Behörden umfangreich über Dopingpraktiken in der Leichtathletik ausgesagt hatte, berichtete im ARD-Interview zudem, dass nach wie vor einige nicht nachweisbare Mittel in der Dopingszene im Umlauf seien: "Mehrere Substanzen gibt es, für die die Dopinganalytiker ganz einfach keine Tests haben. Zum Beispiel gibt es da IGF 1 Long R 3, ein früher noch unbekannter Wachstumsfaktor. Von Quellen aus dem Dopingmilieu wurde mir gesagt, dass das benutzt wird."

Zu wenige Dopingkontrollen in der Trainingsphase

Der ehemalige Laborchef, der heute als Ernährungs- und Trainingsexperte unter anderem junge Boxer betreut, glaubt, dass Leichtathleten weiter viele leistungssteigernde Mittel einnehmen, deren Dopingwirkung über Monate anhält. Er kritisierte, dass in manchen Ländern noch immer zu wenige Dopingkontrollen in der Trainingsphase stattfänden: "Es bringt nichts, mal eben so 6.000 Tests während der Olympischen Spiele zu machen. Das ist dann eigentlich mehr ein Intelligenztest, denn du musst ziemlich dumm sein, wenn du dann noch Dopingmittel in deinem Körper hast. Die Kontrolleure müssen natürlich vorher in die Heimatländer der Athleten gehen und sie dort testen, zum Beispiel in Jamaika."

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 29.08.2015, 10.50 Uhr

Stand: 27.08.15 07:10 Uhr