ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt © ARD/Hajo Seppelt

Doping

Doping: Neue Anschuldigungen gegen Kenia

von Hajo Seppelt, ARD-Dopingredaktion

Die Dopingtests in Kenia sind ins Zwielicht geraten. Athleten und Betreuer erheben schwere Vorwürfe gegen den kenianischen Leichtathletikverband. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) will indes keine Untersuchungskommission zu Doping in Kenia einrichten.

Nach Angaben von Athletenbetreuern ist es in Kenia übliche Praxis, dass Leichtathleten über anstehende Dopingkontrollen außerhalb von Wettkämpfen vorab informiert werden. Dopingtests müssen nach den international einheitlichen Vorgaben des Welt-Anti-Doping-Codes jedoch stets unangekündigt erfolgen. Die kenianischen Athletenbetreuer berichten der ARD-Dopingredaktion im Gegensatz dazu über oftmaliges regelwidriges Verhalten von Dopingtestern: "Die Kontrolleure rufen Dich vorher an. Und sagen Dir, dass sie zu Dir nach Hause kommen wollen. Und wenn Du dann sagst, Du bist nicht da, machen sie eine neue Verabredung mit Dir für den Test", sagte Frimin Kiplagat Kipchoge, der selbst Läufer war und mit dem kenianischen Leichtathletikverband "Athletics Kenya" zusammenarbeitet, der ARD.

Da bei angekündigten Tests Manipulationen durch Athleten vor der Abgabe der Dopingprobe nicht ausgeschlossen werden können, ist laut WADA-Code eine Vorab-Information des zu testenden Sportlers nicht gestattet. Paul Simbolei Kibet, ebenfalls Betreuer kenianischer Mittel- und Langstreckenläufer, erklärte hingegen, dass Sportler in Kenia oft schon vorab über anstehende Tests Bescheid erhielten: "Die Kontrolleure sagen dann, wir können uns ja Mittwoch oder Samstag zur Kontrolle treffen. Und wenn es dann bis Samstag nicht klappt, weil sie es nicht schaffen, dann sagen sie, wir kommen am Montag. So wird das auch immer wieder verschoben."

Gesperrter Kipchumba: Testergebnisse vertuscht

Schwere Vorwürfe gegen den nationalen Verband erhob indes der wegen Dopings gesperrte Kenianer Ronald Kipchumba, der als einer der wenigen Athleten seines Landes zugibt, Dopingmittel genommen zu haben. Er wirft "Athletics Kenya" vor, Geld von positiv getesteten Athleten zu nehmen, um dann im Gegenzug die Testergebnisse zu vertuschen. "Ich wurde nach meinem positiven Test immer wieder ins Büro des kenianischen Leichtathletikverbandes gebeten. Und die fragten mich dann, wieviel Geld ich habe, damit die Testergebnisse nicht öffentlich gemacht werden. Aber ich hatte das Geld nicht. Daraufhin haben sie mich nach Hause geschickt. Ich wurde gesperrt, denn ich hatte nicht bezahlt. Die Top-Athleten, die positive Tests und auch das Geld haben, müssen riesige Summen bezahlen, damit ihre Testergebnisse nicht bekannt werden", sagte Kipchumba. "Athletics Kenya" gab auf Anfrage der ARD-Dopingredaktion keine Stellungnahme ab.

WADA-Chef: Ermittlungen in Kenia nicht nötig

Trotz vieler belastender Zeugenaussagen und starker Hinweise auf weitverbreitetes Doping, die auch in der jüngsten ARD-Dokumentation "Geheimsache Doping: Im Schattenreich der Leichtathletik" zu sehen waren, lehnt die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) den Einsatz ihrer unabhängigen Untersuchungskommission in Kenia ab. WADA-Präsident Craig Reedie sagte der ARD, Ermittlungen seiner Organisation in Kenia seien nicht nötig: "Die kenianischen Behörden wissen doch, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, darauf würde ich mich jetzt konzentrieren anstatt noch etwas anderes zu tun", so der WADA-Chef.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 29.08.2015, 10.50 Uhr

Stand: 25.08.15 12:43 Uhr