Asafa Powell

Asafa Powell - Ex-Weltrekordler mit Doping-Vergangenheit

Sportart: Leichtathletik
Disziplinen: 100 m , 4 x 100 m
Land: Jamaika Flagge Jamaika

Steckbrief

geb. am: 23.11.1982
in St. Catherine
Größe: 190 cm
Gewicht: 88 kg
Verein: Fast Twitch Factory
Trainer: Donovan Powell

Sportliche Eckdaten

Persönliche Bestleistung:
9,72 Sek. (100 m/2008)
19,90 Sek. (200 m/2006)
Größte Erfolge
Olympische Spiele:
Gold 2008 (4x100 m)

Weltmeisterschaften:
Gold 2015 (4x100 m)
Gold 2009 (4x100 m)
Bronze 2009 (100 m)
Silber 2007 (4x100 m)
Bronze 2007 (100 m)


Die Karriere von Asafa Powell hatte noch gar nicht richtig begonnen, da wollte der Jamaikaner schon wieder alles hinschmeißen. Zwei Familientragödien in kurzer Zeit ließen den 100-Meter-Sprinter alles in Frage stellen. Im Juni 2002, Powell hatte als aufstrebender 19-Jähriger bereits erste Erfolge gefeiert, wurde sein älterer Bruder Michael, der in New York studierte und Geld als Taxifahrer verdiente, von einem Fahrgast erschossen. Genau ein Jahr später erlitt Vaughn, der dritte von sechs Brüdern beim Football einen Herzinfarkt und starb. Powell wollte mit dem Sport aufhören. "Ich empfand alles als sinnlos", sagte er dem "Spiegel". Doch seine Eltern, beide Pastoren, ermunterten ihn zum weitermachen. Er solle den Sport als Ventil verstehen, mit dem er den Schmerz rauslassen kann, sagten sie ihrem Sohn. Powell nahm es sich zu Herzen und startete eine Weltkarriere, in der er bereits 2005 ganz oben ankam - als schnellster Mann der Welt.

Enttäuschender Fünfter in Athen 2004 - Weltrekord 2005

Am 14. Juni 2005 unterbot Powell die sechs Jahre alte Bestmarke von Maurice Greene (9,79) und stellte mit 9,77 Sekunden einen neuen Weltrekord auf. Mit einem Traumstart und einem furiosen Finish krönte sich der Jamaikaner beim Meeting im Olympiastadion von Athen bei 1,6 Meter Rückenwind zum schnellsten Mann der Welt. Zehn Monate zuvor war er bei den Olympischen Spielen an gleicher Stelle noch Opfer seiner Nerven geworden und hatte sich nach einem schlechten Start mit Platz fünf begnügen müssen. Wegen eines zweieinhalb Zentimeter langen Muskelrisses im Adduktorenbereich musste Gold-Favorit Powell seinen Start bei der WM in Helsinki absagen.

2006 13 Mal unter zehn Sekunden

Der 1,90 Meter große und 88 Kilogramm schwere Sprinter kam im Jahr 2006 allerdings eindrucksvoll zurück und beendete alle seine Rennen als Sieger. Unglaubliche 13 Mal blieb der Jamaikaner in jener Saison über 100 Meter unter der Zehn-Sekunden-Marke und stellte sogar zweimal seinen eigenen Weltrekord von 9,77 Sekunden ein.

"Nur" WM-Bronze 2007, dann Weltrekord

Bei den Welttitelkämpfen 2007 in Osaka war Powell zwar fit, doch das Duell um den Titel "Schnellster Mann der Welt" endete für den Jamaikaner trotzdem mit einer Enttäuschung: Powell resignierte früh und musste nicht nur den US-Amerikaner Tyson Gay (9,85), sondern auch Derrick Atkins von den Bahamas (9,91) vorbeiziehen lassen. In 9,96 Sekunden blieb ihm "nur" die Bronzemedaille. Das hinderte den Jamaikaner nicht daran, kurz nach der WM den Weltrekord auf 9,74 Sekunden zu verbessern.

Staffel-Gold bei den Spielen in Peking

Usain Bolt und sein Teamkollege Asafa Powell feiern ihre Goldmedaille im 4x100-m-Lauf. © AP Foto: Mark J. Terrill

Asafa Powell (r.) und Usain Bolt feiern die Staffel-Goldmedaille 2008 in Peking.

Auch im Olympia-Jahr 2008 hatte der Sprinter viel Verletzungspech. Erst setzte ihn eine Risswunde am Knie, dann eine Brustmuskelverletzung für zwei Monate außer Gefecht. So musste sich Powell in Peking über die 100 Meter mit einer Zeit von 9,95 Sekunden und Platz fünf zufriedengeben. In der Staffel jedoch konnte er als Schlussläufer mit Jamaika seinen lang ersehnten ersten großen Titel überhaupt gewinnen - Olympiasieger in Weltrekordzeit von 37,10 Sekunden.

Staffel-Gold bei den Weltmeisterschaften in Berlin

Nach Berlin reiste Powell als Dritter der Weltjahresbestenliste (9,88 Sekunden) und bestätigte dies. Hinter Landsmann Usain Bolt, der den 100-m-Weltrekord auf unglaubliche 9,58 Sekunden setzte, und Gay holte sich der Jamaikaner Bronze in 9,84 Sekunden. Mit der 4x100-Meter-Staffel gewann er in 37,31 Sekunden seine ersten Weltmeistertitel.

Verletzung stoppt Powell vor WM 2011

Kurz vor der WM in Daegu erklärte Powell selbstbewusst, er wolle bekommen, "was ich meiner Meinung nach verdiene": seine erste Einzel-Goldmedaille. Die Vorzeichen dafür standen trotz eines Usain Bolt als Konkurrenten nicht schlecht. Powell hielt mit 9,78 Sekunden die Weltjahresbestzeit. Doch drei Tage vor dem 100-Meter-Finale musste der Jamaikaner seinen Start wegen Leistenproblemen absagen.

Dopingfahnder stoppen Powell vor WM 2013

Nach einer Verletzung im olympischen 100-m-Finale 2012 in London, das er deswegen als Letzter beendete, war der Powell auch bei den Welt-Titelkämpfen zwei Jahre später in Moskau nicht am Start. Diesmal allerdings nicht aus Verletzungsgründen. Ein positiver Dopingtest auf das Stimulans Oxilofrin stoppte den Ex-Weltrekordler. Powell bestritt, wissentlich gedopt zu haben, zog bis vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS, der die ursprünglich auf 18 Monate angesetzte Sperre für den Jamaikaner um ein Jahr reduzierte. Mitte 2014 kehrte er zurück auf die internationale Sprintbühne und ist wieder fast so schnell unterwegs wie zu seinen besten Zeiten. Bei der WM in Peking holte er mit der 4x100-m-Staffel Gold.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 29.08.2015, 10.50 Uhr

Stand: 29.08.15 16:07 Uhr