Die deutsche Stabhochspringerin Martina Strutz

Martina Strutz

Sportart: Leichtathletik
Disziplin: Stabhochsprung
Land: Deutschland Flagge Deutschland

Steckbrief

geb. am: 04.11.1981
in Schwerin
Größe: 160 cm
Gewicht: 53 kg
Verein: Schweriner SC
Trainer: Thomas Schuldt
Beruf: Polizeimeisterin

Sportliche Eckdaten

Persönliche Bestleistung:
4,80 m (2011)
Größte Erfolge
Olympische Spiele:
5. Platz 2012

Weltmeisterschaften:
8. Platz 2015
Silber 2011

Europameisterschaften:
Silber 2012
5. Platz 2006

Deutsche Meisterschaften:
Gold 2016
Silber 2015
Gold 2013
Bronze 2012
Gold 2011
Bronze 2006


Martina Strutz springt und springt und springt - und das immer noch erfolgreich. 2011 wurde die Schwerinerin Vize-Weltmeisterin. In Rio will die 34-Jährige nun wieder vorne mitmischen.

Martina Strutz kann man getrost als Routinier bezeichnen. Seit einem Vierteljahrhundert betreibt die Schwerinerin Stabhochsprung als Hochleistungssport. Doch erst seit 2011 springt sie "mit der Weltklasse auf Augenhöhe" (O-Ton Strutz). Gleich neunmal meisterte sie in ihrer Erfolgssaison 4,65 m oder mehr, 4,78 m in Karlsruhe bedeuteten seinerzeit deutschen Rekord - der war zuvor immerhin neun Jahre im Besitz von Annika Becker (4,77) gewesen. Bei den deutschen Meisterschaften in Kassel sicherte sich das nur 1,60 m große Energiebündel zudem seinen ersten nationalen Freiluft-Titel vor Silke Spiegelburg, die eigentlich als erste Anwärterin auf die deutsche Bestmarke gegolten hatte.

Stabhochsprung

Martina Strutz: Routinier mit Nerven aus Stahl

Karriere schien schon gelaufen

Dabei schien die Karriere von Strutz eigentlich schon gelaufen. EM-Fünfte 2006 und deutsche Hallenmeisterin im Winter darauf - das waren bis 2011 die größten Erfolge der ehemaligen Kunstturnerin. Danach lief nichts mehr zusammen, ihre persönliche Bestleistung im Jahr 2008 stand bei 4,52 m, 2010 übersprang sie gerade noch 4,30 m. In den DLV-Kader schaffte es Strutz nicht, und auch ihr ehemaliger Verein Dynamo Schwerin wollte sie nicht länger fördern. Strutz schloss sich dem ESV Hagenow an - eigentlich Leichtathletik-Diaspora ohne entsprechende eigene Abteilung. Ebenso ungewöhnlich: Ihr Coach Thomas Schuldt ist von Haus aus Wurftrainer - gab ihr aber "das Vertrauen in mich und meinen Körper zurück", so Strutz.

Weniger Gewicht plus mehr Kraft = WM-Silber

Stabhochspringerin Martina Strutz gewinnt Silber bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2011 in Daegu. © imago / ZUMA Press Foto: ZUMA Press

Drüber! Martina Strutz und ihr Sprung zu WM-Silber 2011.

Zu Beginn der Saison 2011 präsentierte sich eine vollkommen neue Martina Strutz. Schneller, dynamischer, athletischer, schlanker. "Zehn Kilo runter und mehr Kraft drauf. Dann passt das wieder", brachte sie ihr Erfolgsrezept auf eine einfache Formel. Herbert Czingon, Leitender DLV-Bundestrainer und Stabhochsprung-Experte, drückte die Gründe für die phänomenale Entwicklung fachspezifischer aus: "Ein Bewegungstalent und eine gute Technikerin war Martina schon immer. Aber das Last-Kraft-Verhältnis hat bei ihr nicht gestimmt."

Nun stimmte es also, und Strutz galt bei der WM in Daegu als eine der heißesten deutschen Medaillenanwärterinnen. "Der ganze Rummel ist schon ungewohnt. Ich bin seit vielen Jahren dabei und immer mitgeschwommen, jetzt bin ich vorneweg. Ich genieße das", verriet der burschikose Blondschopf im Vorfeld. Sie wolle befreit springen und "einfach nur Spaß haben". Das gelang - und wie: 4,80 m bedeuteten nicht nur eine weitere Verbesserung des deutschen Rekords, sondern auch WM-Silber.

"Lasse das Hirn im Schrank und springe einfach"

Im Vorfeld der Olympischen Spiele 2012 gelang Strutz bei der EM in Helsinki nach bis dahin durchwachsenen Saisonergebnissen erneut der Sprung aufs Treppchen. Bei kühlem Wind und Regen meisterte sie 4,60 m und sicherte sich wie in Daegu Silber. "Ich freu' mich. Silber steht mir ganz gut. Das war jetzt einer von zwei Saisonhöhepunkten. Da bin ich da. Ich lasse das Hirn im Schrank und springe einfach", bilanzierte sie. In London belegte die Schwerinerin den fünften Platz (4,55) hinter Spiegelburg, die ihr zuvor in Monaco mit 4,82 m den deutschen Rekord abgejagt hatte.

Rückkehr zum Schweriner SC

Nachdem Strutz zwei Jahre lang die Sommersaison aufgrund von Verletzungen verpasst hatte, wagte sie einen Neustart bei ihrem alten Verein Schweriner SC, bei dem sie ihre aktive Karriere beenden möchte. "Die Trainingsbedingungen sind wirklich hervorragend in Neubrandenburg. Nur leider fehlt mir für eine vollkommene und erfolgreiche Arbeit doch ein Trainer vor Ort", schrieb die 34-Jährige ihrem alten Verein, dem SC Neubrandenburg, zu dem sie 2012 nach einem Brand in der Schweriner Halle gewechselt war.

"Noch ein paar Jahre machen"

Stabhochspringerin Martina Strutz. © NDR / Bettina Lenner Foto: Bettina Lenner

Kein Karriereende von "Strutzi" in Sicht.

Im vergangenen Jahr zeigte die Olympia-Fünfte von London, die im April 2015 ihrer Lebensgefährtin Steffi das Jawort gegeben hatte, stabile Leistungen, allerdings ohne einen großen Ausreißer nach oben. "Mir haben aufgrund der beiden Seuchenjahre 2013 und 2014 jede Menge Wettkampfsprünge gefehlt", sagte sie. Bei der WM in Peking erreichte sie locker das Finale, blieb mit 4,60 m aber fünf Zentimeter unter ihrer Saisonbestleistung und belegte Platz acht.

Ans Aufhören denkt die Athletensprecherin des DLV nicht: "Bis ich alt und grau bin, und da ich blond bin, werd' ich nicht grau. Im Ernst: Solange der Körper das mitmacht, springe ich auch noch. Ich denke auch, dass ich nochmal eine 70 oder 80 und auch deutschen Rekord (4,82 m, Silke Spiegelburg, d.Red.) springen kann. Den will ich mir noch mal holen."

Dritter deutscher Meistertitel

Dass mit ihr weiterhin zu rechnen ist, bewies Strutz bei den diesjährigen deutschen Meisterschaften. Da sprang sie in Kassel, wo sie fünf Jahre zuvor ihren ersten nationalen Titelgewinn gefeiert hatte, mit 4,70 m zum dritten DM-Gold und so hoch wie zuletzt 2011. Um in Rio eine Medaille zu gewinnen, werde man über 4,80 m springen müssen, prognostizierte die EM-Zehnte von Amsterdam: "Und genau da will ich hin."

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 29.08.2015, 10.50 Uhr

Stand: 23.06.16 10:35 Uhr