Robin Schembera beim 800-m-Lauf in Peking

Robin Schembera - Zurück in der Spitze

Sportart: Leichtathletik
Disziplin: 800 m
Land: Deutschland Flagge Deutschland

Steckbrief

geb. am: 01.10.1988
in Halle/Saale
Größe: 187 cm
Gewicht: 70 kg
Verein: TSV Bayer 04 Leverkusen
Trainer: Paul-Heinz Wellmann
Beruf: Polizeikommissar

Sportliche Eckdaten

Persönliche Bestleistung:
1:45,48 Min. (2015)
Größte Erfolge
Deutsche Meisterschaften:
Silber 2015
Silber 2013
Silber 2010
Gold 2009
Gold 2008

U23-EM:
Bronze 2009

U20-EM:
Gold 2007
Silber 2007 (4x100 m)


Was für eine Enttäuschung für Robin Schembera. 2009 trat sich der Leverkusener bei der Heim-WM in Berlin im 800-m-Vorlauf nach rund 400 m selbst in die Hacken, stürzte und schied dann chancenlos aus. Der DLV hatte den damals 20-Jährigen auch ohne erfüllte A-Norm für die Titelkämpfe nominiert. Ein Tribut an das junge Talent und die Hoffnungen, die der Deutsche Leichtathletik-Verband in den Mittelstreckler setzte. Schließlich hatte sich der Youngster, dessen Mutter Antje zu ihrer aktiven Zeit unter ihrem Mädchenname Schröder Erfolge für die DDR gesammelt hatte und 1983 WM-Achte über 800 m geworden war, im Vorfeld von Berlin auf 1:45,63 Minuten gesteigert.

Ungeliebte Rolle des deutschen Hoffnungsträgers

In die Rolle des deutschen Hoffnungsträgers war der Leverkusener, der über eine ausgeprägte Spurtfähigkeit verfügt, schon zuvor nach Erfolgen bei internationalen Nachwuchsmeisterschaften geschlüpft. 2007 gewann er bei den U20-Europameisterschaften Gold, bei der U23-EM 2009 holte er Bronze. Das Potenzial des Mittelstrecklers war klar erkennbar, auch wenn er im Olympiajahr 2008 den ersten großen Rückschlag in seiner Karriere hinnehmen musste: Um die Winzigkeit von 0,16 Sekunden verpasste er die Olympianorm (1:45,50 Min.) und verfolgte Peking vom Fernseher aus.

Robin Schembera nach dem 800-m-Lauf bei der WM in Berlin. © ap Foto: Anja Niedringhaus

Unter Druck: Robin Schembera 2009.

Die Rolle lag Schembera allerdings nicht. Im Gegenteil. Jahrelang lief er seiner Top-Form hinterher, hatte mit Verletzungen zu kämpfen und wollte seine Profi-Laufbahn schon beenden. "Der Druck war von Beginn an enorm. Ich galt schnell als großes Talent, die Erwartungen haben mich immer mehr belastet. Ich litt unter mentalen Problemen und war einfach nicht mehr auf der Höhe", schilderte er dem "Leichtathletik"-Magazin. Schembera suchte für kurze Zeit einen Psychologen auf, das half. Er habe "eine neue Sicht der Dinge sowie eine andere Einstellung erlangt", berichtete er: "Ich versuche, mich von den Erwartungen anderer zu befreien."

Mit neuer Gelassenheit zurück in die Spitze

Mit neuer Gelassenheit und positivem Denken kehrte der 26-Jährige im Jahr 2015 in die Spitze zurück. Im Mai lief er im niederländischen Hengelo in 1:45,48 Minuten persönliche Bestzeit und knackte die WM-Norm. Ein Resultat der psychisch, aber auch physisch verbesserten Verfassung. "Ich höre heute viel mehr und besser auf meinen Körper", so Schembera vor dem Beginn der Weltmeisterschaften. In Peking verpasste er dann den anvisierten Einzug ins Halbfinale: Seinen Vorlauf beendete er in 1:48,04 Minuten als Vierter. "Mit dem Lauf bin ich nicht zufrieden. Ich hätte 250 m vor dem Ziel vorne dabei sein müssen, das war ich nicht", kommentierte er sein Abschneiden. Das ganz große Ziel sind jedoch die Olympischen Spiele im kommenden Jahr in Rio: "Ihnen ordne ich alles andere unter."

Harting, Schembera und Co. greifen IAAF an

Im Vorfeld der WM Schembera zusammen mit Diskus-Olympiasieger Robert Harting und anderen deutschen Leichtathleten den Weltverband IAAF attackiert. Mit Aussagen wie "Wir können euch nicht mehr trauen" oder "Ihr zerstört unseren Sport" protestieren die Athleten massiv gegen den Umgang der IAAF mit den jüngsten Doping-Enthüllungen in ihrem Sport. Schembera hält in dem komplett in englischer Sprache gehaltenen Video ein Schild hoch, auf dem steht: "Ich möchte gegen saubere Athleten laufen - nicht gegen Monster." Die Sportler werfen der IAAF vor, den Doping-Missbrauch in der Leichtathletik nicht entschieden zu bekämpfen, sondern eher zu vertuschen und geschehen zu lassen.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 29.08.2015, 10.50 Uhr

Stand: 22.08.15 09:38 Uhr